Zivilisation – Am Ende des Heaphy Tracks

…am Ende kann man nach 80km laufen auch gern mal wörtlich nehmen. Kurzbeschreibung der 4 Wandertage:

Tag 1, 17 km: Oh schön Ruhe und Bewegung

Tag 2, 27 km: Ich mag nicht mehr, ich mag nicht mehr, ich mag nicht mehr, oh wie schön…, ich mag nicht mehr 

Tag 3, 20 km: Aua, Aua, Aua, oh im Fluss baden, Aua, Aua, ist das toll hier, Aua…

Tag 4, 16 km: ………………Regen ………..Dusche ………..Essen …………….warmen Tee …………..oooooooooooohhhhhhhh unser Auto 🎉🎉🎉

Ich sags euch….ja was sag ich euch?!? Einmaliges Erlebnis. Großartig…mit Schmerzen 😄. Der Heaphy Track befindet sich im Norden der Südinsel. Er startet im Landesinneren und führt über knapp 60km ans Meer. Die letzten 20 legt man dann direkt am Meer zurück. Sehr abwechslungsreiche Landschaften, tolle tropische Urwälder, sehr schöne und neue Hütten, kurioses am Wegesrand und wacklige Hängebrücken über zahlreiche Flussläufe. 

„Nun ist Halbzeit“ dachte ich mir beim loslaufen und ich bräuchte dringend eine „Auszeit“. Wir sind wahnsinnig straff durchgetacktet was einerseits natürlich super ist weil wir dadurch so viel sehen aber andererseits bleibt einfach persönliche Zeit für sich selbst absolut auf der Strecke. Ich bin einfach der Typ der gern zwischen den Wandertagen auch mal bummelt, im Sinne von nichts groß planen und mal schauen was der Tag so bringt. Nett in einem Café sitzen und lesen zB. mal nicht reden müssen (oh ja das kommt öfter vor als man meinen mag) mal nicht hetzen. Einfach mal GAR NICHTS. Aber…keine Chance… Nur zum schlafen bleibt noch Freizeit 😄. Somit hab ich mich sehr auf den Track gefreut um mal wieder etwas für mich zu sein was beim Laufen wunderbar funktioniert. Und…die Tage waren super. Mal tingelt man allein vor sich hin und wenn man merkt das Fleisch wird müde und der Geist auch, schließt man sich wieder welchen an und der Weg kommt einem nur noch halb so schwer vor. 

Tag 1: Es ging bergauf auf 915m. In knapp 5 Stunden erreichten wir die Perry Saddle Hut. Schöner Ausblick auf die umliegenden Berge. Und…wir haben auf dem Weg einen Kiwi gesehen 😍. Okeeeee das Profiauge wird sagen…hm…der Schnabel ist aber kurz geraten…und er ist ja nachtaktiv. Somit muss ich leider zugeben: ja, auch ein flugunfähiger Vogel und dem Kiwi sehr ähnlich aber leider doch keiner. Sondern ein Waka…anhören tut er sich wie ein sehr penetranter Wecker 😄. Und so sieht er aus:  

 Auf dem Weg nach oben hatten wir im Vergleich zu den Tagen davor ein tolles Lauftempo. Der Weg stieg langsam aber stetig und führte uns bei schönstem Wetter an mancher Kuriosität vorbei, die uns die nächsten Tage noch weiter begleiten sollten.  

 
Bei unserer Mittagspause dann endlich der Mount Taranaki. Da muss man erst auf der Südinsel sein um den Kerl zu sehen 😳. Wenn auch nur ganz klein im Hintergrund…da isser. 

 Auf der Perry Saddle Hut waren wir fast die Ersten und hatten noch freie Bettwahl. Schön. Die Ruhe da oben dachten wir…da wussten wir noch nicht dass uns die drei Nächte eine junge Horde Engländer begleiten sollte 😄. Großartig unser Abendessen. Nudeln in Thunfischsauce…mmmmhhhh.  

 Tag 2: Mit Aussicht auf die meisten Kilometer unserer gesamten Tour nämlich 27 km ging es um 8 Uhr los. Der Regen der am Vorabend noch eingesetzt hatte war verschwunden und wir konnten in einen tollen Sonnentage starten. Es war lang, sehr lang. Und beim Mittagessen auf der Saxon Hut hätte es mir im Zweifel auch schon gereicht 😄. Jedoch war die Etappe so abwechslungsreich und nett dass sie am Ende doch schnell verflog. Weiter ging es mit Kuriositäten.  

Dem extra ausgeschilderten Picnic Table Corner mitten im Bush (wer braucht da ein Schild?!?), dem Boot Pole Corner an dem alte Schuhe an den  Marterpfahl gehangen werden 😂😂, durch einen Märchenwald mit Moos und Höhlen, moorähnliche Gebiete mit sehr wackligen Hängebrücken bis hin zur Mackay Hut. 

  

Dort bot sich uns der Anblick auf Tag 3. Hinab der Weg zur Westküste bis zur Flussmündung wo die Heaphy Hut auf uns warten würde. In der Mitte des Bildes gaaaaaanz weit unten sieht man Strand und Meer 😊. 

Wir waren recht früh am Abend dort und konnten die Sonne noch in vollen Zügen genießen. Kaffee auf der Terasse. Etwas dehnen und stretchen. UND sich waschen!!! Ein Traum. Zwar nur am Waschbecken mit kaltem Wasser aber hey. Es war warm genug draußen. Allerdings durften wir da schon die erste Begegnung mit unserem neuen „Feindbild“ den Sandflies machen. Kleine Mücken. Sehen aus wie Obstfliegen…und stechen!! Miese kleine Biester. Die Stiche jucken höllisch und wenn man ohne Anti-Spray vor die Tür geht ist man innerhalb kürzester Zeit von einer Horde regelrecht umzingelt 😄. Und an dem Abend gab es Linseneintopf 😊. 

  Tag 3: Tag der Schmerzen. Meine Verletzung am Zeh macht gerade keinen Spaß. Es geht bergab. Immer Richtung Meer. 

Und wie wir früh auf der Hütte mitbekommen haben hat jemand aus der englischen Truppe Geburtstag. Sprich…Abends dürften wir uns sicherlich auf Party einstellen. Immerhin haben die sieben Flaschen Wein über den Berg geschleppt 😄. Jedenfalls Vorfreude. ‚Nur‘ 20km bergab. Und als Ziel das Meer und die Aussicht im Fluss baden zu können (Meer ist verboten da zu gefährlich) vor Augen. Wir hatten wieder niedliche kuriose Wegbegleiter. 

Wenn wir mehr Zeit gehabt hätten hätte ich auch total gern so einen gebaut. Da gab es abgebroche Äste die wie Drachen aussahen. Da hätte sich mit etwas Fantasie bestimmt was draus zaubern lassen. 

Nach der Mittagspause an der Lewis Hut (umzingelt von Sandflies) ging es weiter über große und lange Hängebrücken durch tropische Wälder voll mit Palmen und großartig gewachsen uralten Bäumen. Einen dieser Bäume (ein Rata) war soooooo dick dass wir grad mit neun Leuten um den Stamm rum kamen 😄. Ich hatte Loisl noch als Joker aber der war gar nicht nötig. 

  

  

 Das letzte Stück hätten wir sicher schneller laufen können aber es war so schönes Wetter und die Landschaft so schön um ein wenig länger zu verweilen. Kurz vor dem Ziel haben wir noch brütende Shags in den Bäumen entdeckt. Die zählen zu den Kormoranen. Den Duft des Meeres schon in der Nase zog es uns Richtung Heaphy Hut. An dieser Stelle möchte ich mich beim neuseeländischen Department of Conservation beschweren. Wie bitte kann man eine Hütte an einem solch abscheulichen Ort platzieren…aber seht selbst. Unzumutbar 😂😂. 

  

  

Nachdem es noch so früh am Tag war genoss jeder erst mal etwas Zeit für sich. Wir Mädels haben uns in den Fluss gestürzt zum Baden und dann ging es barfuß im Sand zum Meer. Dort waren dann auch keine Sandflies mehr. Toll zum verweilen. Warmer Sand unter den Zehen, das Tosen der Brandung und keine Gedanken. Kulinarisch gab es dann wenig spektakuläres. Tüten-Hüttenfutter. War aber für so Trockenzeugs echt nicht schlecht. 

Bevor die englische Party stieg noch kurzer Wettercheck mit dem Rancher…immer noch Regenvorhersage. Naja. Kann ja so schlimm nicht werden, oder? Es kam schlimmer 😄. Während sich das britische Partyvolk Richtung Meer verzog nutzten wir die Gunst der Stunde um ins Bett zu gehen. 

Tag 4: Regen, Regen, Regen….aus Eimern!!! Wenn es hier regnet dann meist leider so richtig 😕. Warum muss der Wetterbericht nur recht behalten?!? 

Eingepackt wie Mumien in unseren Regensachen starteten wir auf unsere letzten 5 Stunden und 16km. Ähm 5 Stunden? Wir sind es in 3,5 gelaufen 😂. Der Weg ist toll. Direkt an der Küste mit wunderbaren Ein- und Ausblicken auf die See. 

  

Von denen haben wir aber nicht mehr viel wahrgenommen. Ich kam mir gestern ein bisschen wie in ‚Findet Nemo‘ vor. Statt ‚Einfach schwimmen, schwimmen, schwimmen‘ hieß es eben ‚Einfach laufen, laufen, laufen‘. Wobei…wir sind ja quasi geschwommen 😄. Unsere Gefahr gestern außer sich klatschnass zu erkälten, waren die kleinen Bäche welche wir überqueren mussten. Bei Starkregen verwandelt sich ein unscheinbarer Bach innerhalb kürzester Zeit in einen reißenden Strom. Und diese dann zu überqueren wäre lebensgefährlich. Trotz hochfunktioneller Gore-Tex Ausstattung waren wir alle nass bis auf die Haut. Wenn nicht vom Regen dann vom Dunst unter der Kleidung. Glücklich das Auto zu sehen und den Parkplatz, ist nach 4 Tagen und dem feuchtfröhlichen Regentag stark untertrieben. Ich glaub wenn ich allein gewesen wäre hätte ich geheult vor Freude 😄. Ok…ein bisschen feuchte Augen hatte ich aber das war bestimmt der Regen 😉. 
Fazit der 4 Tage: 
Berg- und Talfahrt der Gefühle und Emotionen. 

Zwischenfazit Neuseeland: 

Leben findet JETZT statt, weder gestern noch morgen. Liebe. Jeden Moment. Den Menschen der gerade vor dir steht. Er ist der Wichtigste. Besuche fremde Orte. Urteile nicht. Lebe deine Werte und Vorstellungen. Nimm an was ist und LIEBE!!!  

Eure Tanja 

 

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